MOMO - Kapitel 18 (Wenn man vorausschaut ohne zurückzuschauen)
Wenn nur die Schildkröte nicht so schrecklich langsam gekrabbelt wäre! Aber daran war ja nun nichts zu ändern. Momo schaute nicht mehr nach Links und nach rechts, sondern nur noch auf ihre Füsse und auf Kassiopaia.
Nach einer Ewigkeit, wie es ihr vorkam, bemerkte sie, dass die Strasse unter ihren Füssen plötzlich heller wurde. Momo hob ihre Augenlieder, die ihr schwer wie Blei zu sein schienen, und blickte umher. Ja sie waren endlich in den Stadtteil gelangt, in dem jenes Licht herrschte, das nicht Morgen- noch Abenddämmerung war und wo alle Schatten in verschiedene Richtungen fielen. Bendend weiss und unnnahbar standen die Häuser mit den schwarzen Fenstern. Und dort war auch wieder jenes Dankmal, das nichts darstellte als ein riesengrosses Ei auf einem schwarzen Steinquader.
Momo schöpfte Mut, denn nun konnte es nicht mehr allzulange dauern, bis sie bei Hora sein würden. >>Bitte<<, sagte sie zu Kassiopeia, >>können wir nicht ein bisschen schneller gehen?<<
>>JE LANGSAMER, DESTO SCHNELLER<<, war die Antwort der Schildkröte. Sie krabbelte weiter, eher noch langsamer als vorher. Und Momo bemerkte - wie schon beim vorigen mal - dass sie hier gerade dadurch schneller vorwärts kamen. Es war geradezu, als glitte die Strasse unter ihnen dahin, immer schneller, je langsamer sie beide gingen.
MOMO - von Michael Ende
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